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@ feld versuch - thema, editorial: realisation, cultural reference


Aufbruch - Lust auf Neubeginn? 

Die Erinnerungen an zurückliegende Ereignisse und Begegnungen faszinieren uns und halten uns in ihrem Bann. Der malerische Prozess, jede Kreativität lebt von dieser Spannung, von der Verarbeitung äußerer Motive und unserer inneren Motivation.

Menschen begegnen. Erinnern an Freunde, Orte, Bilder, Lichter, Gesichter, Klänge, Rhythmen, Melodien, Spiele, Tänze, Konzentration in Ruhe und kontemplative Stille, haptische Erfahrungen bei Wind und Wetter, an Berührungen, an Düfte von Blüten, Gewürzen, einen Geschmack auf der Zunge - verknüpft mit persönlichen Erlebnissen, und dem Abklären der gesammelten Erfahrungen.

Im Laufe des Lebens zurückgestellte persönliche Interessen - aufgeschobene Ideen oder lange gehegte Wünsche zu realisieren, und dabei immer wieder über den eigenen Tellerrand hinaus­zuschauen. Verinnerlichte Erinnerungen, Vorsätze und Motivationen, die uns bewegen, die jedoch häufig durch ablenkende Reize vernachlässigt, durch liebe Gewohn­heiten oder von der eigenen Bequemlichkeit verdrängt werden und unbeachtet bleiben. 

Erste Schritte auf den Wegen zur Kunst - die Lust am Zeichnen, Malen, Konstruieren, Phantasieren und Formulieren sichert den verstärkenden Antrieb im Schaffensprozess - eine selbstbewusste Gelassenheit hilft über manchen Tiefpunkt hinweg. (Zitat: "Der Künstler möge in sich hineinhören, was er zu sagen hat. Wenn er nichts hört, solle er auch schweigen.) Und es kristallisiert sich die viel zitierte biblische Erkenntnis heraus, dass alles seine Zeit und manches mehr Aufmerksamkeit benötigte.



Schritte der Neuorientierung

Vor dem konkreten Einlassen auf die bildende Kunst ging ein ­langer Entwicklungs­prozess voraus: er mündete im Abschied ausgetretener Pfade, obgleich interessanter Aufgaben im Auslandseinsatz des ausgeübten Ingenieurberufs, der meist eindeutig und materiell zweckgebunden definiert durch die vom jeweiligen Auftraggeber erwartete Leistung, die jedoch wenig mit schöpferischem Freiraum ausgestattet war.

Sich Mut machen: frei nach amerikanischem Vorbild: - Change - We can! - 
Bei aller Begeisterung am kreativen Arbeiten, auch bei wohltuender und konzentrierter Atmosphäre, man wird nachdenklich bei Betrachtung des realen Kunstbetriebes:
Diese Veränderung erforderte einen Sprung ins kalte Wasser, in reiferem Alter selbst­finanziert neu starten und lernen, ohne private oder öffentliche Förderung. Sponsoren sind für junge Studenten eine willkommene existentielle Absicherung, aber wie gewinnt sie ein Senior? Der Autor tauscht Erfolg und lebenslanges berufliches Lernen am sicheren Arbeits­platz im spannenden, mehrfachen Technologiewandel in heraus-ragenden Funk- und Internetprojekten durch Beschäftigung mit den Musen? Kunst-schaffen ohne Auftrag im gesell­schaftlichen Wandel, zum zentralen Thema machend: Wege in eine brotlose Kunst?

Öffnung und persönliche Bilanz:
Lebenslauf überprüfen, und die Energie im verbleibenden Leben  auf das Wesentliche verwenden, förderliche Arbeiten zielstrebig angehen, Tradition und neuen Entwick-lungen mit Toleranz und Interesse begegnen, orientieren in unbekannten Feldern, neues Selbstbewusstsein entwickeln und stabilisieren. Den Glauben an sich selbst behalten, auch wenn er immer wieder konfrontiert werden wird mit offengelegten Schwächen, Zweifeln die mit den Stärken hadern. Humor und Satire als Salz in der Suppe erleichtern es, neue Blickrichtungen zu akzeptieren.

Vom lebens­länglichen Lernen und Reifen:
Es sollte die Selbstachtung nicht durch Alters­mobbing (Bullying) oder andere verbreitete Destruktion beschädigt werden. Applaus und öffentliche Anerkennung sind für jede individuelle Leistung notwendig, wie die Luft zum Atmen. Im Kunstbetrieb bleibt dies oft der einzige Lohn, und Künstler müssen lernen damit umzugehen.

Kunstbegriff und Qualität: Gut gemacht.
Oder frei nach Gottfried Benn: Kunst ist das Gegenteil von gut gemeint!  Was Kunst nun sei, dies bleibt wohl die schwierigste Antwort und mit einem Satz kaum zu erklären. Ungewohnte Wertmaßstäbe der Kunst können verwirren, auch wenn man sich unvor­eingenommen auf sie einlässt. Harmonie, Rhythmus und Kontrapunkt, die Ästhetik, subjektive Schönheit oder der Goldene Schnitt sind nicht immer relevant und nicht die einzigen Mess­latten. Die Faszination als emotionales Kunst-Erlebnis mag für den unbekannten Rezipienten schwer zu planen sein. Der Künstler wird die Wirkung seines Werkes von Anfang an aus der Rolle des Betrachters überprüfen müssen. Projekt-Organisatoren und Qualitätsmanager werden hier Parallelen zur Industrie-produktion erkennen.
 
Neue Statements des modernen Kunst­betriebes, wie das Postulat "Alles ist möglich!" hilft als Handwerkszeug nicht wirklich weiter. Es provoziert bei jeder Räum­aktion die logische Anschlussfrage zu stellen: "Ist das Kunst - oder kann das weg?"

Beratungen mit Menschen beeindruckender Vita, die jeweils eigene Veränderungs­schritte gingen, eröffneten neue Einsichten: Eigene selbstkritische Anstrengungen, ständige Verbesserung, wie auch das Durchhaltevermögen sind sicher notwendige Voraus­setzung in der Kunst - beim Beobachten, Schaffen, Analysieren und Stellung beziehen.

Erfahrungen aus Arbeits- und Studienaufenthalten in Europa, Afrika, im arabischen Raum, Süd-Ost-Asien und in den USA ermöglichten realistischere Einschätzungen. Hilfreich waren früh gesetzten Maximen: Das endliche, zeitlich überschaubare Leben sollte nach humanistischen Grundwerten lebendiger, überzeugender zu gestalten sein, als nur noch den einschränkenden Fremdbildern in abhängiger Arbeit zu folgen. Es sollte sich nicht in einengenden Bahnen festfahren – nicht einschläfernd im Sand verlaufen - sondern: offen sein für Veränderungen - sie fördern, sich lebendig und selbstkritisch wahrnehmen, und häufige gesellschaftliche Phänomene - wie Dominanz und Unter-werfung - als Machtgebaren fehlgeleiteten Egos bewusst zu machen. Früh gewecktes Interesse an den deutsch-französischen Beziehungen, Austauschprojekte mit Frankreich und die Unterstützung von Menschenrechtsgruppen prägten meine humanistische Haltung.

Aktiv die zweite Lebenshälfte organisieren - anstelle manipulierender Beschäftigungs­therapie: Widerstand gegen das Abschieben und das Ausgrenzen.

 


Gesellschaftliche Verantwortung und Freiheit in der Kunst 

Ein früher Ausgleich zum Ingenieurberuf weitete den Horizont: Weiterbildung und Studium in ergänzenden Lehrfächern, Betrachtungen zu Einflüssen in Kunst, Kultur, Gesellschaft, bei Projektrealisierungen bestärkten den kreativen Neubeginn - verbunden mit erforderlichen Abgrenzungen gegenüber fragwürdigen Zielen und typischen Verhaltensmustern in kapitalgesteuerten Unternehmen.
 
Lustbetontes, auftragorientiertes oder sinnforschendes Kunstschaffen erfordern eine Unabhängigkeit, ohne die der notwendige Freiraum für kreatives Umsetzen, des intuitiven Schaffens nicht genutzt werden kann: Die Schere im Kopf (Selbstzensur und Bestechlichkeit). Diese Freiheit gilt es zu erringen und bewahren.

Unpraktikabel erscheint z.B. der Versuch, aus einer existenziell abhängigen Position überzeugend zu thematisieren, was in der Konzernzentrale eines Arbeitgebers, oder auch von wohlmeinenden (jedoch unbeholfen agierenden) Interessenvertretungen, von fehlgeleiteten Parlamenten wie ihren Regierungen als manifester Machtmissbrauch öffentlich wird, oder gar Grenzbereiche phantastischer Big Brother - Fiktionen (George Orwell) bereits überschreitet.

Authentisch sein hieße: aus dem Bauch heraus handeln, die beklagte Kopflastigkeit reduzieren. Diese öffnende und zugleich einschränkende Forderung erscheint der unreflektierten laissez-faire - Haltung von schauspielernden Täuschern zu entstammen - passend für kreative Lockerungsübungen. Wissenschaftler und Philosophen von den alten Griechen bis zur Romantik gaben schon früh den Rat, das Denken zugunsten guter Ergebnisse doch bitte abzuschalten: Intuition contra ratio. Wahrnehmungsforschern der Synästhesie wird die Forderung zu eng gefasst, und nicht präzise genug formuliert sein: Die Verknüpfung und / oder bewusste Kopplung der Wahrnehmung mit allen Sinnen treten gerade in der Post- Moderne (sehen, hören, fühlen: Farbe, Rhythmus in Bild und Musik, Farbklänge, farbiges Rauschen ...) wieder neu ins Bewusstsein und begründen inter-disziplinäre Projekte. 

Schärfer formulierte Joseph Beuys einst seine These: 'Wer nicht denkt, fliegt raus'.
Er verarbeitete wesentliche Elemente menschlicher Wertmaßstäbe in seinen Werken: die Auseinandersetzung mit Humanismus, Sozialphilosophie und Anthroposophie. Wahrnehmen, Abbilden, Neuformulieren und Abstraktion: Schritte distanzierter, glaubwürdiger Realitäts­bezogenheit und angemessene empathische Nähe fördern den Zugang zur Erkenntnis, wie auch zur Kunst - die bewegt. Solche Entwicklungen kristallisieren sich häufig in neuen Entwicklungs­phasen aus und kündigen kommenden Wandel an.

Beispiele für Abgrenzung und Kontradiktionen:

Ein Leben mit der Kunst erfordert soziale - lebendige - Anteilnahme, einge­bettet in aktiv gelebter Kultur, erfahrbar durch lebendiges Verankern in der Gesellschaft - nichts Abgehobenes. Krasser Gegensatz zur regressiven "inneren Emigration", die in künstlichen Parallelkulturen unpolitisch, oftmals sozial unbeteiligt, träumerisch isoliert, oder gar in der Vergangenheit verhaftet, fiktiv mittelalterliche Phantasie kopierend - das Leben nachstellt: Bollywood als Traumstandard.

Aktiv mit der Kunst Leben - das Gegenteil von Aktivismus:
Statt gelebter Persönlichkeit reduziert sich mancher Aktivist in Wahrheit auf eine Statisten-Existenz, als "Fremder im eigenen Land" (Hermann Hesse). 
Der Aktivist greift populistische Tendenzen auf (teils als Trittbrettfahrer etablierter Bürger-Aktionen), liefert  Einsichten des vorgeblich "gesunden Menschenverstandes", organisiert sein eigenes Publikum über den Zugang zu neuen Medien, appelliert mit banalen Argumenten selbstverliebt auf seinen "sozialen" Plattformen. Spontanität - wie "flash- mobs" kulminierend - aber auch verpuffend, teils mit mystisch verklärtem Brauchtum verkürzt er seine Ziele auf den populistischen Selbstzweck: die kurzfristig erreichte, überraschte Öffentlichkeit durch Medienbeachtung. Echter Wandel jedoch erfordert ausdauerndere, soziale, politische Anstrengungen, gesellschaftliche Einsichten und fachliche Wissensvermittlung. Blinder Aktionismus führt meist zu einengender Alternativlosigkeit und plumper Schwarz-Weiß-Malerei.

Kunst und Politik - Vermeidung der Vereinnahmung: vor fremden Karren ...
Aktivistische Vereinnahmung macht hellhörig, und sollte auf mögliche Missbrauchs­gefahr überprüft werden. Die politischen Randspektren verschweigen gern wesentliche Entwicklungen der jüngeren Geschichte. Folglich wird daraus folgende konsequente Verantwortung gar verleugnet und jegliche Rechts­nachfolge häufig missachtet:
Vorgetäuscht oder echt überlagert mit unreflektierter "zurück-zur-Natur" - Bewegung - etabliert sich unterschwellig fundamentalistischer Widerstand gegen komplexe Sozial­strukturen wie z.B. bei aktuellen Großprojekten oder den Beratungen überregionaler Staaten­bündnisse. Erfolglos bleibt jede berechtigte Kritik, wenn sie zur falschen Zeit, an der falschen Stelle vorgetragen wird. Auch grüner Aktionismus kann blind machen.

Kreativität der Wutbürger und fehlgeleiteter Widerstand  
Eine Aktivisten-Ver­brüderung angesichts aufgestellter Polizeikräfte und Wasserwerfer als inszeniertes Gemeinschafts­erlebnis - anstelle echter Aufklärung - liefert das Drehbuch für Youtube - Video-Uploads, manipulierbare, emotionale Bindung durch mediale Propaganda-Techniken.  Vogel Straußens Kopf-in-den-Sand - Strategie, die provinzielle Ohne-Michel - Haltung, fehl-adressierte Kritik an Machtstrukturen werden oft von aktionistischen Weltveränderern umgelenkt und als "Pop Art Event" vorgeblich "besorgter" Bürger­begehren präsentiert.

Unpolitische Haltung und Flucht in Ersatzhandlungen
Individuelles Verweigern des nachhaltigen Mitwirkens auf gesellschaftspolitischen Bühnen, unter gegebenen Mehrheits­bedingungen, wie unter den demokratischer Regeln und Prozessen - wird oftmals getarnt und ersetzt durch irrelevanten Schein-Aktionismus. 
Manch aktivistischer Baumschützer entpuppt sich später als das eigentliche Hemmnis lebendiger, notwendiger Kreativ-Anstrengungen für die demokratischen Heraus­forderungen unserer im ständigen Wandel begriffenen Gesellschaften und er endet bisweilen extrem konflikt­trächtig.

Künstlerische Umsetzung
Die "kopflastige" Kunst greift solche Themen gern auf und transformiert sie, je nach Absicht und Haltung des Künstlers: transparent, eindeutig mit klarer Aussage oder verarbeitet mit bewusster Unschärfe und genügend Distanz um den Betrachter zu selbstständiger Interpretation zu bewegen. Beim "aus dem Bauch" arbeiten wird das Ergebnis eher mit dem Unterbewussten des Künstlers korrespondieren und möglicherweise beim Betrachter entsprechend emotionales Verständnis auslösen. Individuelle Formen der künstlerischer Auseinandersetzung z.B. mit dem Material lassen unzählige Varianten der bildnerischen Arbeit möglich erscheinen.

Kunst als Chance des Zugriffs auf philosophische und soziologische Erkenntnis begreifen.









Kreativer Werkprozess - kulturelle Herausforderung und Chance

Ohne Fleiß kein Preis - So nicht erwartete Entwicklungen.
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 Die verinnerlichte empirische Methode von trial-and-error,  jugendliches Experi-mentieren mit Materialien, Fund­stücken in der Buchdruckwerkstatt des Großvaters und anhand des graphischen Handwerks des Vaters mit Formen und Farben, schließlich das vielschichtige Kulturangebot im ehemaligen West-Berlin, wurden zur Quelle der Begeisterung.
Die Freude am kreativen Ausdruck, frühen Schwarzweiss-Arbeiten in Fotolabor und Druckerei folgten schon in der Studienzeit in Berlin. Fotografie, Zeichnung, Aquarell mit ersten Ausstellungen von Fotografie und Papierarbeiten führten zur Acrylmalerei und wiederentdeckte Print-Techniken (Intagliotypie, Cyanotypie) und Hinterglas­-Malerei auf Acrylglas (Plexiglas) bis hin zu inspirierend neuen Technik-Kombinationen aus Druck, Malerei und Zeichnung auf ungewohnten Bildträgern.

Freies Arbeiten und in Kunstseminaren bildnerischer Techniken erlernen, im Atelier und  vor Ort - en-plein-air -  ergaben neue inspirierende Impulse aus den vielfältig untersuchten Möglichkeiten heraus. Unerwartet bestätigte sich auch hier, dass  strukturierte Anstrengung und hartnäckige Ausdauer günstige Voraussetzungen eines Änderungs­prozesses bilden. Karl Valentins lakonisches Wort: "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit." bestätigt sich auch heute wieder.

Kunst im garantierten Feiraum demokratischer Gesellschaften. -

Diesen Wert lernte ich schätzen bei frühen Aufenthalten im Nahen und Mittleren Osten, wo die von Fanatikern zerstörten Statuen und historischen Gemälde menschlicher Abbilder fast alltäglich zu beklagen waren. Wo unerwartet nach mehr­fachen Denunziationen anonyme religiös-fanatische Zeugen die willkürliche Beschlagnahme meiner Filmnegative veranlassten, und große Teile meiner kulturellen Bild-Reportagen vernichteten. Fehlende Aufklärung, Zensur, Verleumdung und Intrigen als sichtbarer Ausdruck von Fanatismus, die Bevormundung durch die Willkür-Regeln der Scharia und religiös verblendeter Massen: scheinheiliger Sermon, notorische Traktate, zerkratzte Portrait­bilder in Hotel-Lounges, von eifernden Gästen zerstochene Augenpartien der Gemälde, von den (religiösen) Zensoren geschwärzte Reportagen und unkenntlich gemachte Fotografien.

Ungünstige Bedingungen für freie Kunst:

Das Verbot menschlicher Abbilder wurden in den fundamen­talistischen Ländern in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts als Neu-Interpretation des Dschihad wieder verschärft: Allmachts­phantasien islamistischer Fundamentalisten während Jahrzehnten geduldet von Despoten, Monarchen (und deren Angst vor drohenden islamistischen Unruhen) und des kritiklosen Handels der Öl-Abnehmerländer. Nicht verschont bleiben die weltweit populären Nachrichten-Magazine. Die wenigen zugelassenen freien Presse-Erzeugnisse in Saudi Arabien z.B. werden auf  Bruch­teile ihrer ursprünglichen Originalauflagen reduziert: den verbleibenden minimierten Lesestoff beherrscht die (manuell ausgeführte) Zensor-Schwärzung. Eine derart abgeschirmte Bevölkerung erreicht kein differenziertes Weltbild. Sie stellt ein leichtes Opfer dar für Korruption, Intrigen und religöse Demagogen.

Staunend erfahrene, unerwartete Wandlungen des Kulturbegriffes im Nahen Osten, verbohrter Fundamentalismus und reaktives Chaos im traditionsreichen Orient, im Gefolge schnell erreichte Rohstoff-Gewinne, aus Billiglohnländern "importierte" Sklavenarbeiter und selbstgefällige Hinweise auf das Erbe vergangener Hochkulturen: Unter den (männlichen) arabischen Studenten auffällig fehlendes "jugendliches" Aufbegehren gegen Stammes-Autoritäten und familiäre Fesseln, das Abgleiten ganzer Gesellschaften in Korruption und prosperierende Drogen-Netzwerke, die Gier nach Macht, über die Menschen wie den materiellem Besitz, und der angeblich vom "Westen" provozierte Rückfall in kriegerische Barbarei.

In diesen extrem entmündigten Kulturen wird der regressive Rückzug und Vermeidung figürlicher Darstellungen verständlich, wie ihn die Meister orientalischer Ornamentik und Kalligrafie-Kunst vollzogen haben. Gedanken an die sagenhafte Welt von Tausend-und-eine-Nacht wurden in das Reich der Fabeln und Märchen für Kinder und alte Männer in den Teestuben verwiesen. Die phantasiereichen Märchenerzähler duldet man heute im touristisch vermarkteten Shisha-Club, im Salon de Thé mit Wasserpfeife - im "Coffeshop" des Orients allenfalls als Geschäfts­förderung von Handel und Handwerk, als touristisches Beiwerk.

Despotische, barbarisch - religiös verbrämte Auswüchse im Mittleren Osten, in Nah-Ost und im Maghreb der vergangenen 40 Jahre verwehrten oft den Blick auf wahres kulturelles Leben, unter Korruption und Armut wurde es weitgehend verhindert. Neuere Ergebnisse der Archäologie, Forschungsberichte von Nil und Sahara lenkten die Aufmerksamkeit schließlich auf die Funde und Zeugnisse aus Europa, rund um das Mittelmeer bis in die Regenwälder nach Übersee.

Auf Arbeits- und Besuchsreisen verifizierte Berichte von der Schwäbischen Alb
(Löwenmensch - Skulptur), der Höhlen- und Felsmalerei in Frankreich ( Lascaux, Chauvet / Ardèche), in Portugal ( Tal von Côa), auf den Spuren der Weihrauchstraße, in die Arabischen Emirate, in der Wüste Rub-al-Khali, den Bewässerungssystemen in Hofuf, im Asir-Gebirge, in den Bergen von Najran, am Roten Meer von Jeddah bis zum Jemen, der Antikenfunde in Luxor und Karnak an den Ufern des Nil, vor Alexandria, bei den frühen Siedlungen in Tunesien, Ausgrabungsbesuche auf Kreta und Sizilien (Selinunte), bis hin zu Nachfahren von Indianern, Ausführungen von Archäologen und philosophischer Seminare in San Diego / USA, den Funden und Forschungsergebnissen frühzeitlichen Grabschmuckes in den großen Museen. Beeindruckend wirkten auch die Besuche in die Zentren des asiatischen Buddhismus, vom Regenwald überwucherte Tempel der Khmer und archäologische Siedlungsreste bei den Nachfahren der Völkerwanderungen in Asien.
 

Chancen des Aufbruchs

Abseits klischeehafter Abgrenzung, wie den Stereotypen Professional / Autodidakt / Quereinsteiger / Hobbymaler, setzt der Autor nach seinem abgeschlossenem Technik-Studium seinen Weg als ein "studierender Senior in der Bildenden Kunst" fort. Er begreift  die Chance als Herausforderung seiner Entwicklungs­möglichkeit,  ob in klösterlicher Atmosphäre (Roggenburg, Wettenhausen, Augsburg St. Stephan, Irsee, Bad Reichenhall), wie auch an Kunst-Instituten nahe den urbanen Landschaften und historischen Kulturstätten. 
 
Angebote professioneller Lehrer, von Kunstexperten werden dankbar wahrgenommen. Angesichts des oftmals possenhaften Kampfes und Abgrenzung künstlerischer Berufsgruppen gegen die  "Freizeitseminar-Absolventen" und belächelte "Kunst-Therapeuten", ist eine künstlerische Spätförderung und die Anerkennung deren Werke - auch in den Provinzen des aufgeklärten Europas - heute noch nicht selbst­verständlich.

Abgeschlossene Hochschulstudiengänge oder teure Akademie-Abschlüsse der freien Kunstsparten gelten häufig als unumstößliche Barriere. Die regelmäßige Verweigerung qualifizierter Würdigung im Rahmen von manchen Jury-Entscheidungen ist weiterhin probates Mittel der künstlerischen Aus­grenzung.  Gewinnorientierte Galerien und Museen begrenzen den Ausstellungszugang für Quereinsteiger im öffentlichen Raum und schaffen das Klima eines restriktiv etablierten Kunstbetriebes.  Hier könnten die vielbeschworene Transparenz die Augen öffnen, die Gewinnüberschüsse von Lotterien und Glücksspielen im Föderalismus neu verteilte Alternativen schaffen.
 
[distanzierendes Argument mancher "Berufskunstpädagogen": der Begriff "Künstler" sei schließlich keine geschützte Berufsbezeichnung, da könne tatsächlich jeder daherkommen ...]

Ein besonderer Dank gebührt der Freien Kunstakademie Augsburg und ihren Dozenten, insbesondere für deren didaktische Heranführung mit individuellem Kunst-Coaching, Stil- und Material­beratung, mit kunsthistorischen und zeitgenössischen Ergänzungen,  Wiederaufnehmen historischer Technologien abgestimmt auf individuelle künstlerische Fertigkeiten, sowie dem Coaching- und Raum­angebot von Atelier und Werkstatt im ehemaligen Kloster St.Stephan an den seminarfreien Wochenenden.

Vertiefende Vorträge des Lenbach-Hauses, offene Seminare der LMU München zu Themen wie z.B. der verkoppelten Wahr­nehmung (Synästhesie: am Beispiel Musik/auditiv, bildende Kunst/visuell) erleichterten Zugriff und Verständnis theoretischer Aspekte der Kunst.
Gemeinsame Kunst-Exkursionsreisen mit Anleitung zur Skizzenbuchführung in die Länder indigener Minderheiten, die u.a. auch schon Gaugin, Klee und Macke faszinierten, ergänzen das Seminarangebot der Augsburger Kunstakademie. Für jeden Teilnehmer die Chance, über den persönlichen Teller-Rand zu blicken: in gelebter Toleranz für alles Fremde mit Respekt, Offenheit und Achtung: Fertigkeiten, Über­zeugungen, Vielfalt der Lebensformen und Werte der fremden Kulturen im direkten Kontakt mit den Gastgebern vor Ort kennenzulernen.

Bei Interesse an meinen Werken wenden Sie sich gerne mit Ihrer Anfrage an mich über das angebotene Kontaktformular (e-Mail).



                        
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